Beispielhafte Initiativen und Organisationen mit verschiedenen Schwerpunkten:
Quellen:
Mit freundlicher Genehmigung:
- Irrsing Menschlich
- pro familia
- Off Road Kids, preJobs, Sofahopper
- BASTA
- MUT-Atlas
lostKIDz ist eine offene Community für Menschen, die sich mit seelischen Belastungen und Lebenskrisen auseinandersetzen.
Hier geht es nicht um professionelle Therapie oder Beratung, sondern um Austausch, Orientierung und gegenseitiges Wiedererkennen.
lostKIDz bietet euch dazu einen Gemeinschaftsraum, visualisiert auf einer Karte (Map).
Der Ansatz dabei ist es, den Fokus weg vom “Defekt” und der “Pathologisierung des Einzelnen” hin zu aktivierenden Perspektiven zu lenken. Dies wird möglich, wenn man lernt sich selbst nicht abzuwerten, sondern sein Selbst anzunehmen – mit all seinen Eigenschaften und seiner Biographie.
Nicht: „Mit mir stimmt etwas nicht. Ich bin machtlos.”
Sondern: „Das, was ich erleb(t)e, passiert(e) anderen auch. Das ist nicht das Ende.”
Für diese Integrationsarbeit könnt ihr euch hier gegenseitig helfen.
lostKIDz hat 4 Hauptkategorien geschaffen, die die sogenannten “lostKIDz” in allen Altersabstufungen symbolisieren.
Jugendlicher (13-18 J.)
13 – 18 Jahre:
Die Adoleszenz ist geprägt von Identitätssuche, Selbstbewusstsein, sozialen Rollen und ersten ernsthaften Abgrenzungsversuchen von Eltern und Autoritätspersonen. Hier entstehen erste selbstständige Denk- und Handlungsmuster.
Mögliche Auswirkungen von Traumata/Störungen:
Innere Konflikte: Rebellion, oppositionelles Verhalten, aber auch Rückzug oder soziale Isolation.
Selbstwertprobleme: Verstärkung von Unsicherheiten aus der Kindheit; innere Stimme kritisiert und bewertet übermäßig.
Emotionale Dysregulation: Stimmungsschwankungen, Impulsivität, aggressive oder selbstschädigende Tendenzen.
Erste psychische Erkrankungen: Beginn von Angststörungen, Depressionen, Essstörungen, Zwangshandlungen.
Fließende Wirkung:
Die Jugendphase verstärkt oder moduliert die Auswirkungen kindlicher Traumata. Gleichzeitig können hier neue Erfahrungen entstehen, die resilienzfördernd wirken. Verhaltensmuster, die in dieser Phase etabliert werden, ziehen sich oft ins frühe Erwachsenenalter hinein.
Junger Erwachsener (19-30 J.)
19 – 30 Jahre:
Orientierung, Selbstverwirklichung, Beziehungen, Beruf und Unabhängigkeit prägen diese Phase. Die Erfahrungen der Kindheit und Jugend treten als innere Leitlinien oder Blockaden auf.
Mögliche Auswirkungen:
Beziehungsdynamik: Bindungsangst, emotionale Abhängigkeit, Konflikte in Partnerschaften.
Wiederholung unbewusster Muster: Alte Ängste, Schuldgefühle oder Misstrauen beeinflussen Entscheidungen und Verhalten.
Psychische Erkrankungen: Manifestation von Depressionen, Angststörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen oder Suchtverhalten.
Berufliche und soziale Anpassung: Über- oder Unterforderung, Konflikte mit Autoritäten, Schwierigkeiten, Verantwortung zu übernehmen.
Fließende Wirkung:
Traumata aus Kindheit und Jugend können hier erneut aktiviert werden. Gleichzeitig kann diese Phase Heilungs- oder Bewältigungspotenzial bieten, z. B. durch Therapie, stabile Beziehungen oder soziale Unterstützung.
Reifer Erwachsener (31-70 J.)
31 – 70 Jahre:
Verantwortung, Familie, Karriere, Selbstreflexion. Innere Konflikte treten klarer zutage, alte Muster werden bewusst, neue Belastungen kommen hinzu (z. B. Pflege älterer Angehöriger, Lebenskrisen).
Mögliche Auswirkungen:
Psychosomatische Symptome: Stressbedingte Erkrankungen, chronische Müdigkeit, Erschöpfung.
Beziehungsprobleme: Wiederholung ungelöster Kindheits- oder Jugendkonflikte, Schwierigkeiten, Nähe und Distanz auszubalancieren.
Innere Konflikte: Schuldgefühle, Selbstkritik, Widersprüche zwischen persönlichen Bedürfnissen und äußeren Erwartungen.
Fließende Wirkung:
Alte Traumata und psychische Störungen treten häufig kombiniert auf: Kindheitsängste + Jugendrebellion + frühe Erwachsene Konflikte → kumulative Belastung. Gleichzeitig kann hier Reflexion und Integration beginnen, wodurch sich Heilungspotenziale entfalten.
Weiser Erwachsener (70+ J.)
70+ Jahre:
Rückblick auf das Leben, “Weisheit” aus Erfahrungen.
Mögliche Auswirkungen:
Unverarbeitete Traumata: Können noch als Stress, Angst, Schuld oder Rückzug auftreten.
Kognitive und emotionale Ressourcen: Möglichkeit zur Reflexion, Perspektivwechsel, bewusster Umgang mit eigenen Mustern.
Soziale Teilhabe: Weitergabe von Wissen, Unterstützung jüngerer Generationen, aktive Lebensgestaltung.
Dazu kommen Themenkategorien, die Lebenssituationen zum Inhalt haben, die belastet und schwierig sind.
Ich (innere Themen)
- Angst & Panik
- Identität
- Selbstwertprobleme
- Sexualität
- Suizidgedanken
- Trauma / Gewalt
- Überforderung / Erschöpfung
Wir (Beziehungen & Herkunft)
- Einsamkeit
- Familie / Elternkonflikte
- Freundschaften / Clique
- Partnerschaft
System (Schule, Arbeit, Gesellschaft)
- Armut / finanzielle Sorgen
- Ausbildung / Arbeit
- Behörden / Ämter
- Diskriminierung
- Mobbing / Cybermobbing
- Schule / Leistungsdruck
Brüche & Übergänge
- Arbeitslosigkeit
- Geburt
- Haft / Bewährung
- Krankheit
- Rente
- Schulabbruch
- Trennung / Scheidung
- Verlust / Tod
- Wohnungslosigkeit
Körper und Bewältigung
- Essstörungen
- Medikamente
- Selbstverletzung
- Süchte (Alkohol, Drogen, Gaming …)
- Zwänge
Quellen:
Traumata wirken nicht starr in einer Phase, sondern ziehen sich als Muster durch das Leben. Symptome und Verhaltensmuster können in einer Phase dominieren und in einer anderen latent bleiben. Heilung, Resilienz und Selbstreflexion sind phasendurchgreifend möglich, besonders in jungen Erwachsenen- und reifen Erwachsenen-Phasen.
Siegel, D. J. (2012). The Developing Mind: How Relationships and the Brain Interact to Shape Who We Are. Guilford Press.
van der Kolk, B. (2015). The Body Keeps the Score: Brain, Mind, and Body in the Healing of Trauma. Viking.
Bowlby, J. (1988). A Secure Base: Parent-Child Attachment and Healthy Human Development. Basic Books.
Erikson, E. H. (1994). Identity and the Life Cycle. Norton.
Perry, B. D., & Szalavitz, M. (2017). The Boy Who Was Raised as a Dog: And Other Stories from a Child Psychiatrist’s Notebook. Basic Books.
Beispiel: Junge Erwachsene mit dem Thema “Essstörung” und danach ein Jugendlicher mit dem Thema “Mobbing”.
Zusatzkategorie Haltepunkte
Neben den “lostKIDz” gibt es eine Zusatzkategorie, die “Haltepunkte” heißt. Dabei könnt ihr Orte auf der Karte anlegen, die euch Halt gegeben haben. Aber vielleicht auch Orte, die für euch ein Halt im Sinne eines Stopps in eurem Leben bedeutet haben.